Männer und Frauen beim Einkauf – welche Klischees eventuell doch Sinn machen

27. September 2012

Dass Frauen und Männer nicht zusammen einkaufen gehen sollten, muss den meisten wohl nicht einmal gesagt werden. Das wissen viele schon aus eigenen Erfahrungen. Doch steckt da eigentlich etwas dahinter? Ist das alles nur gefühlt oder gibt es hier handgreifliche Unterschiede?

Zu diesem Thema gibt es tatsächlich diverse Studien. Beispielsweise haben die Wissenschaftler der Wharton School der University of Pennsylvania in den USA in einer Umfrage herausfinden wollen, worauf es Frauen und Männern beim Einkaufen ankommt – mal abgesehen davon, die gewünschten Lebensmittel abzugreifen.

Bereits hier zeigten sich Unterschiede. Männer achteten mehr auf messbare Details und rationale Punkte: Wie weit muss ich vom Parkplatz zum Einkaufscenter laufen? Wie übersichtlich ist der Markt und wie schnell finde ich das, was ich brauche? Wie lange muss ich an der Kasse warten?

Die Frauen gingen da nach anderen Gesichtspunkten. Wie qualifiziert ist das Personal? Wie umfassend die gewährleistete Hilfestellung? Können mir die Verkäufer etwas über die Produkte erzählen und mich dazu beraten? Der schlimmste Fall, den sich eine Frau in einem Geschäft ausmalen könnte und der ein Grund wäre, nie wieder zurück zu kehren: Wenn die Kundin das Gefühl vermittelt bekommt, sie sei unerwünscht, nerve nur oder solle sich am besten heraushalten aus Sachen, die sie nicht verstehe.

 

Aber auch bei optimalen Standortbedingungen und zuvorkommendem und freundlichen Personal gibt es weiterhin Unterschiede beim Verhalten von Frauen und Männern während des Einkaufs. Angefangen bei der Verweildauer, kann man schon hier sagen: Männer sind entweder einfach effektiver beim Einkauf oder vergessen einfach nur die Hälfte – auf jeden Fall sind sie schneller als Frauen. 21 % von ihnen gaben an, nicht mehr als 15 Minuten für einen Einkauf zu benötigen. Dagegen stehen nur 9 % bei den Frauen, die dasselbe von sich behaupteten. Der größte Teil der Frauen (38 %) lässt sich nämlich 30 bis 60 Minuten Zeit; bei den Männern brauchen nur 26 % diesen Zeitraum. Über eine Stunde veranschlagten bei den Männern 11 % und bei den Frauen 21 % (Zahlen von 2004).

Woran das wohl liegen mag? Denn auch wenn in der Studie leider nicht erfasst wurde, wie viele der gefragten Lebensmittel dann eigentlich vergessen wurden – der Großteil der Männer ist sich keiner schuld bewusst. Sie hätten ihren Einkaufszettel im Kopf, behaupten sie jedenfalls. Nur gut 30 % gaben zu, sich dieses Hilfsmittels zu bedienen – dem gegenüber stehen etwa die Hälfte der Frauen, die sich ebenfalls erst zurecht legen was sie brauchen.

Wobei eine Einkaufsliste ja nicht garantiert, dass tatsächlich auch nur das in den Wagen kommt, was da auch steht. Viele Menschen lassen sich regelmäßig zu Spontankäufen hinreißen. Und das gilt sowohl für Männer (ca 40 %) als auch Frauen (52 %), wobei letztere meistens mehr aufpassen müssen.

Obwohl wir doch alle gleich beeinflusst werden, z.B. durch Aktionsware am Eingang, langsame und beruhigende Musik, die Möglichkeit, mit EC-Karte zu zahlen und die ganze Angebotsware in unserem Blickfeld, scheinen Frauen also anfälliger dafür zu sein. Warum?

In einer Studie von Nestlé, bei der 4.000 Personen befragt wurden, stellte sich heraus, dass Frauen zum Einen schon mal sehr viel darauf achten, was in ihren Korb kommt. Neue Produkte werden angeschaut, die Inhaltsstoffe und der Kilo-Preis verglichen, die Qualität, Herkunft und weitere Aspekte wie eine biologische Aufzucht oder Fairtrade-Siegel gegeneiner abgewogen. Männer hingegen nehmen sich das Produkt aus dem Regal, das sie bereits kennen und mit dem sie gute Erfahrungen gemacht haben und scheren sich nicht weiter um deren Vor- oder Nachteile. Es schmeckt und man kann davon leben – Ende der Diskussion.

Dass Männer eher Fastfood essen und nicht so häufig kochen, war ebenfalls ein Resultat der Umfrage. Dabei wurde allerdings nicht erfasst, in welcher Lebensphase und welcher finanziellen oder familiären Situation die Teilnehmer sich befinden. Trotzdem war das Ergebnis relativ eindeutig. 73 % der Frauen gaben an, regelmäßig zu Hause zu kochen. Unter den Berufstätigen waren es immerhin noch 67 %. Bei den berufstätigen Männern waren es 20 %, im Allgemeinen gab es nur eine unwesentliche Steigerung auf 21 %.

Schon daduch zeigt sich: Frauen beschäftigen sich mehr mit dem Essen und der Ernährung. Dass da auch mehr Frauen (65,4%) den Einkauf alleine übernehmen als Männer (28,6%), ist also nicht verblüffend. Ob das nun Ursache oder Folge dafür/davon ist, dass Frauen sich mehr Gedanken machen im Bezug auf ihr Essverhalten und ihren Körper, sei einmal dahin gestellt.

Wenn man mal die ganze Erziehung und Prägung in Kinder- und Jugendjahren weglässt, scheint diese „Rollenverteilung“ und das Einkaufsverhalten gar nicht mal so unlogisch. Zurück in einer Zeit, in der es noch keine Supermärkte und Discounter gab, wäre das nicht großartig anders gewesen. Zwar hätten die Männer keine Wahl gehabt, ob sie nun das Fleisch besorgen oder nicht – doch waren dabei ganz andere Eigenschaften und Verhalten nötig.

Die Männer waren in erster Linie Jäger. Sie mussten ihr „Gebiet“ möglichst großflächig ablaufen, um Kontrolle über den Wildbestand zu bekommen. Hatten sie die Möglichkeit, die Beute zu erlegen, hatten sie nicht lange Zeit um es sich zu überlegen – jetzt oder nie, hieß die Devise. Das erklärt vielleicht, warum Männer beim Kauf sehr kurzentschlossen sind. Gibt es etwas, was man brauchen kann, holt man es sich. Am besten, bevor jemand anderes schneller ist oder die Beute wieder verschwindet. Ohne dieses Verhalten würden die berüchtigten Last-minute-Einkäufe vor Weihnachten und dem Valentinstag wohl auch nicht einmal ansatzweise so erfolgreich, wie sie es zu sein scheinen.

Bei den Frauen sieht das anders aus. Frauen waren die Sammler in ihrer Gesellschaft. Sie mussten wissen, wann Beeren oder Pilze reif und Wurzeln und Rinde erntefähig waren und wo  man die besten Sammelplätze finden konnte. Dementsprechend war es wichtig, langfristig zu planen und die richtige Zeit abzupassen – und dann rasch die richtigen Stellen aufzusuchen und den größmöglichen Nutzen aus dieser günstigen Zeit zu ziehen. Ebenso war es von Nutzen, wenn man in Gesellschaft los zog. Denn so konnte/n mehr Material/Lebensmittel mitgenommen werden und zur Not hätte eine immer noch auf die Kinder aufpassen können, die ebenfalls schon häufig dabei waren.

Schon damals zeichnete sich auch das typische „ewige Betrachten und Abwägen“ ab. Denn wenn die Pilze ungenießbar oder die Beeren bereits schlecht waren, stand es nicht gut um all Diejenigen, die sie bereits gegessen hatten. Insofern lag eine große Verantwortung auf den Schultern der Frauen.

Auch heute zeigen Frauen dieses Verhalten im Supermarkt. Bestimmte Regale werden gezielt angestrebt und dort wird dann geschaut, ob ähnliche Produkte eventuell besser sein könnten. Dort wird abgewogen und kritisch überprüft.

Wobei man bedenken muss: Vielleicht haben die unterschiedlichen Laufwege von Männern und Frauen auch eher damit zu tun, dass Frauen einfach wissen, wo was steht…und Männer eher systematisch durch den Laden gehen, bevor sie fünf Mal an der gesuchten Stelle vorbeirennen.

Was bei all den Theorien und Vermutungen jedoch feststeht: die „typische“ Frau und den „typischen“ Mann gibt es nicht. Auch nicht beim Einkaufen. Je nach Zeit- und Geldbudget, nach Stimmung, Begleitung und Anlass passen sowohl Frauen als auch Männer ihr Verhalten an. Daher sind sämtliche Umfragen und Erkenntnisse eher Richtlinien, die sich die Märkte zu Nutze machen können. Achten Sie ruhig selber einmal auf Ihr eigenes Einkaufsverhalten, auf das Ihres Partners oder Ihrer Partnerin oder das Ihrer Freunde – vielleicht finden Sie ja tatsächlich Sachen wieder, die oben beschrieben worden sind.

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