Das Bio-Siegel-Verwirrspiel

10. Februar 2012

Die Nachfrage an biologisch wertvollen Lebensmittel hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Neben Österreich und der Schweiz hat Deutschland den größten Bioproduktanteil am Gesamtumsatz von Lebensmitteln. Bio ist in! Wer gesund sein will, isst Bio! Doch obwohl für die meisten Verbraucher das Bio-Siegel ein ausschlaggebendes Kriterium für den Kauf  ist, wissen meist nur Wenige wofür genau es steht. Kein Wunder, denn mittlerweile begegnen einem rund 100 verschiedene Öko-Logos in den deutschen Lebensmittelregalen.

Wer nach ökologisch hergestellten Lebensmittel sucht, hält erstmal Ausschau nach dem sechseckigen Bio-Siegel, ein Symbol, dass seit fast zehn Jahren auf deutschen Lebensmitteln prangt, welche die Bedingungen der sogenannten EG-Öko-Verordnung erfüllen. Neben dem offiziellen Bio-Siegel, gibt es noch diverse Logos von Anbauverbände. Anbauverbände sind Zusammenschlüsse biologisch wirtschaftender Bauern. Sie haben ein eigenes Siegel und unterliegen wesentlich strengeren Richtlinien als denen der EU-Verordnung. Zu den bekanntesten Anbauverbänden gehören Bioland und Naturland.

Seit dem 1. Juli 2010 gibt es ein weiteres Siegel, in der vewirrenden Welt der Bio-Waren – das EU-Bio-Siegel – angeblich eingeführt um das Geschäft zu vereinfachen und die Verwirrung des Konsumenten zu verhindern. Zwölf weiße Sterne bilden auf einem grünen Hintergrund die Form eines Blattes. Kreativer ist das „neue“ Bio-Siegel allemal, doch wirklich sinnvoll?

Um das EU-Bio-Siegel zu erhalten müssen folgende Bedingungen erfüllt werden:

  1. Einhaltung der EU-Ökoverordnung (nachzulesen auf der Seite des BMELV)
  2. Die produzierten Lebensmittel müssen mindestens aus 95 % Biozutaten bestehen.
  3. Die Verwendung von genetisch veränderten Organismen (GVO) und von Produkten, die von GVOs hergestellt wurden, ist verboten.
  4. Betriebe, die vom koventionellen zum biologischen Anbau umrüsteten, müssen eine Umstellungsphase von zwei Jahren überstanden haben, um das EU-Bio-Logo verwenden zu dürfen.

Bis zum 1. Juli 2012  müssen alle Biolebensmittel, die verpackt werden, mit dem neuen Siegel gekennzeichnet sein. Trotzdem ändert das nichts an der Verwendung des deutschen Bio-Logos. Dieses kann weiterhin, auch gemeinsam mit dem EU-Bio-Logo verwendet werden. Gleiches gilt für die Logos der  Anbauverbände.

Den Verbrauchern werden also demnächst Produkte mit drei verschiedenen Bio-Siegeln im Handel begegnen: Mit dem bekannten deutschen Bio-Siegel, dem neuen europäischen Bio-Blatt und vielleicht noch einem Logo der Anbauverbände. Irreführend ist auch, dass viele Bio-Produkte zum Teil alles andere als ökologisch erzeugt werden. So spielt beispielsweise der Wasserverbrauch bei den Bio-Standards keine Rolle.

Desweiteren erlaubt die  EU-Bio-Verordnung, dass ein Hersteller für Bio-Limonade Geschmacksstoffe verwendet, die nicht etwa von Früchten, sondern aus dem Labor stammen, gezüchtet aus Schimmelpilzen oder Bakterien.

Wer sich also heutzutage wirklich 100 % organisch ernähren will, sollte auf Produkte von Anbauverbänden zurückgreifen oder sein Obst und Gemüse selber im Garten anbauen, natürlich und ohne Pestizide – getreu dem Motto „Back to the roots!“.

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"Das Bio-Siegel-Verwirrspiel" wurde geschrieben von Stephi.

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